Was auf den ersten Blick modern und praktisch wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als gefährliche Fehlentscheidung mit erheblichen Tücken.
Das „Tannenzapfen-Prinzip“: Warum Begreifen von Greifen kommt
Bisher haben wir eine Durchfallquote, die mit fast 50 % im Durchschnitt völlig inakzeptabel ist. Theorie ist zwar reine Lernsache, aber digitales Lernen hat schlicht nicht den Effekt, den man uns immer versprochen hat.
Es beginnt schon bei den Kleinsten: Kinder müssen ihre Umwelt im wahrsten Sinne des Wortes begreifen. Sie lernen dabei essenzielle Zusammenhänge, die sie niemals an einem Tablet oder Smartphone erfahren können. Ein Kind, das über das Foto eines Tannenzapfens wischt, weiß nicht, wie dieser duftet, wie er sich anfühlt oder wie schwer er tatsächlich ist.
In dieser frühen Phase ist reales Erleben entscheidend für die Entwicklung. Die Digitalisierung scheint hier oft nur wenigen zu nützen: den Herstellern von Hardware und „Lernsoftware“.
Eine Verständnisfrage am Rande: Warum müssen Schüler oft überteuerte iPads für den Unterricht anschaffen? Fließen hier etwa Provisionen? Warum tut es kein günstiges Tablet oder ein vorhandener Laptop? Hat das iPad etwa eine „andere Art“ der Digitalisierung?
Die „Ad-hoc-Falle“: Realitätsverlust im Ministerium
Zurück zu den Durchfallquoten: Es gibt keinen „Standardfahrschüler“. Jeder lernt anders. In der aktuellen Debatte steckt ein gewaltiger Denkfehler. Fahrschüler mit Lernschwierigkeiten oder Sprachbarrieren haben digital immer das Nachsehen. Während andere den Stoff verinnerlicht haben, bleiben diese Schüler auf der Strecke – und die Prüfung wird zum teuren Unterfangen.
Der Plan von Minister Schnieder und seiner Ad-hoc-Arbeitsgruppe ist eine böse Falle: Fahrschüler sollen den Stoff voll digital absolvieren und sich anschließend ihre Prüftermine selbst buchen können.
Dass wir ohnehin massive Probleme haben, überhaupt Prüftermine zu bekommen, scheint niemanden zu beeindrucken. Stattdessen wird die Schuld pauschal bei den Fahrschulen gesucht. Das ist purer Realitätsverlust von Leuten, die seit 30 Jahren keine Fahrschule mehr von innen gesehen haben!
Blick nach Österreich: Mehr Unterricht, gleiche Quoten
Ein Blick über die Grenze zeigt: In Österreich müssen Fahrschüler 30 Theorieeinheiten à 50 Minuten absolvieren – also deutlich mehr als bei uns. Und trotzdem bewegen sich die Durchfallquoten im selben Bereich wie in Deutschland. Ob digitaler Unterricht hier Abhilfe schafft? Ich wage es stark zu bezweifeln.
Wissenschaftlicher Beleg: Der Holzweg der Digitalisierung
Um die Problematik besser zu verstehen, empfehle ich zwei Bücher von Prof. Dr. Manfred Spitzer, der sehr deutlich macht, warum der rein digitale Weg ein Holzweg ist.
Präsenzunterricht ist unersetzbar. Die Corona-Zeit war ein unfreiwilliges Experiment: Schon 2-3 Wochen digitaler Ersatzunterricht führten zu massiven Problemen. Nachdem die Schulen wieder öffneten, gab es eine nie dagewesene Nachfrage nach Nachhilfe – selbst bei Schülern der Oberstufe!
Wollen wir wirklich so tun, als könnte man die Ausbildung billiger machen, wenn es am Ende auf Kosten der Fahrschüler geht? Man verkauft uns das als „Eigenverantwortung“, doch in Wahrheit ist es eine Verschlimmbesserung durch Laien.
Zum Videovortrag von Prof. Dr. Manfred Spitzer geht es hier


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