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Es werden Posts vom April, 2026 angezeigt.

Wem dient diese Reform wirklich?

Man muss sich fragen, warum Minister Schnieder ein Modell durchdrücken will, das pädagogisch so lückenhaft und gefährlich ist. Schaut man sich den Entwurf genau an, erkennt man die Handschrift von Akteuren wie der börsennotierten 123Fahrschule SE . Hier geht es nicht mehr um das Handwerk oder die individuelle Betreuung eines Fahrschülers. Hier geht es um Skalierung und Plattform-Interessen . Plattformen statt pädagogischer Verantwortung Für große Unternehmen ist dieses zerstückelte Modell (6 Stunden hier, 6 Stunden da, dazwischen 1.000 km privat) ein Goldesel: Theorie als Massenprodukt: Die Zentralisierung der Theorie spielt großen Online-Plattformen in die Hände, während der persönliche Bezug im Unterricht verloren geht. Der Fahrlehrer als „Abhaker“: In diesem System werde ich als Fahrlehrer zum reinen Kontrolleur degradiert, der nur noch die Fehler korrigieren soll, die sich in 1.000 km Laienausbildung eingeschliffen haben. Profit vor Sicherheit: Während wir in den Fahrschulen jed...

Der ultimative Vergleich: Österreichs L17 Modell vs Deutschlands Ausbildungsmodell BF17

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder lobt das österreichische Modell als langjähriges Erfolgsmodell, das den Führerschein angeblich billiger machen würde. Ein Blick in die Realität sagt etwas völlig anderes.

Die BMV-Akte: Was Minister Schnieder Ihnen über das „Vorbild Österreich“ verschweigt (oder nicht weiß)

  Minister Schnieder preist das österreichische Modell als Heilsbringer für günstigere Führerscheine an. Doch während er in Deutschland die Axt an die pädagogische Ausbildung legt, verschweigt er die Realität der aktuellen EU-Führerscheinreform, die in Österreich bereits mit voller Härte umgesetzt wird.Die „Billig“durch veraltete Technik vs. EU-Hochtechnologie Der Plan der Ad-hoc-Arbeitsgruppe: Fahrstunden beim Profi auf 6 Stunden kürzen und den Rest den Eltern überlassen. Doch die EU-Richtlinie 2006/126/EG (und die kommende 4. Führerscheinrichtlinie) fordert genau das Gegenteil von „einfach und billig“. Der Fakten-Check, den das Ministerium ignoriert: FAS-Pflicht: Nach der österreichischen Führerscheingesetz-Prüfungsverordnung (FSG-PV) (§ 9) müssen Prüfungsfahrzeuge dem „Stand der Technik“ entsprechen. Das bedeutet: Notbremsassistent, Spurhalte-Assistent und intelligente Geschwindigkeitsplaner sind Pflicht. Erklärungsnot: Der Bewerber muss in der Prüfung nicht nur fahren, sondern ...

Die Reformpläne im Einzelnen

Um die Tragweite der vorgeschlagenen Änderungen zu verstehen, muss man sich die Details der offiziellen Vorlagen ansehen. Meine Analyse bezieht sich auf das Dokument: Bericht des Bundesministeriums für Verkehr zur Gemeinsamen Konferenz der Verkehrs- und Straßenbauabteilungsleitungen der Länder (GKVS) am 4./ 5. März 2026 in Würzburg und zur Verkehrsministerkonferenz am 25./26. März 2026 in Lindau. H ier das Dokument in der letzten Fassung Bevor wir in die Details gehen, schauen wir uns an, wie die Arbeitsgruppe ihr Vorhaben selbst verkauft. Im Einführungstext des Arbeitspapiers heißt es wörtlich: „Schwerpunkte der nachfolgenden Vorschläge sind die Digitalisierung und Modernisierung der Fahrausbildung, der Rückbau von Bürokratie und die Schaffung von mehr Transparenz – unter Wahrung der geltenden Verkehrssicherheitsstandards. Die Fahrschülerinnen und Fahrschüler, aber auch die Fahrschulen sollen im Rahmen der Ausbildung mehr Freiheiten erhalten. Eine Absenkung der Ausbildungsstandards un...

Wie kommen die Preise in den Fahrschulen eigentlich zustande?

Jeder Betrieb muss kalkulieren – auch Fahrschulen. Doch wie überall steigen auch für die Fahrschulen die Kosten ohne Ende. Was steckt hinter dem Preis einer Fahrstunde? Viele fragen sich, wie diese Summen zustande kommen. Es ist eben nicht nur die Zeit des Fahrlehrers im Auto. Zur Wahrheit gehören: Infrastruktur: Miete für Unterrichtsräume, Strom, Wasser und Gas. Absicherung: Versicherungen sind Pflicht – nicht nur gesetzlich, sondern als moralische Verantwortung. Wer stürzt oder verunfallt, muss abgesichert sein. Das lässt sich nicht aus der Portokasse regulieren. Fuhrpark: Anschaffung der Fahrzeuge, horrende Versicherungsprämien für Fahrschulautos, Treibstoff, regelmäßige Werkstattbesuche, Inspektionen und der ständige Austausch von Verschleißteilen. Personal: Qualifizierte Fahrlehrer müssen angemessen entlohnt werden. Ihre Ausbildung ist anspruchsvoll, ihre Verantwortung für das Leben der Schüler und anderer Verkehrsteilnehmer ist immens. Verwaltung & Risiko: Berufsverbände, Ber...

Digitaler Theorieunterricht: Der teure Holzweg in die Sackgasse

Was auf den ersten Blick modern und praktisch wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als gefährliche Fehlentscheidung mit erheblichen Tücken. Das „Tannenzapfen-Prinzip“: Warum Begreifen von Greifen kommt Bisher haben wir eine Durchfallquote, die mit fast 50 % im Durchschnitt völlig inakzeptabel ist. Theorie ist zwar reine Lernsache, aber digitales Lernen hat schlicht nicht den Effekt, den man uns immer versprochen hat. Es beginnt schon bei den Kleinsten: Kinder müssen ihre Umwelt im wahrsten Sinne des Wortes begreifen . Sie lernen dabei essenzielle Zusammenhänge, die sie niemals an einem Tablet oder Smartphone erfahren können. Ein Kind, das über das Foto eines Tannenzapfens wischt, weiß nicht, wie dieser duftet, wie er sich anfühlt oder wie schwer er tatsächlich ist. In dieser frühen Phase ist reales Erleben entscheidend für die Entwicklung. Die Digitalisierung scheint hier oft nur wenigen zu nützen: den Herstellern von Hardware und „Lernsoftware“. Eine Verständnisfrage am Rande:...

Geplanter Bürokratieabbau

Schauen wir uns den ersten Punkt an, der unter dem Label „Bürokratieabbau“ verkauft wird. Es geht um die Räumlichkeiten, in denen unsere Fahrschüler ausgebildet werden. „Abschaffung der Vorgaben bzgl. der Unterrichtsräume. Die Regelungen der Arbeitsstättenverordnung legen bereits fest, was beim Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten in Bezug auf die Sicherheit und den Schutz der Gesundheit der Beschäftigten zu beachten ist. Diese Regelungen gelten dann unmittelbar.“ Mein Praxis-Check: Ein gefährlicher „Scherz“ Die Idee, die spezifischen Vorgaben für Unterrichtsräume in Fahrschulen abzuschaffen, kann ich nur als schlechten Scherz bezeichnen. Warum? Weil die aktuellen Regelungen einen Sinn haben, der weit über einfache Verwaltung hinausgeht. Bisher ist alles klar und unmissverständlich geregelt: - Platzbedarf pro Fahrschüler: 1 m² - Platzbedarf für den Fahrlehrer: 3 m² Diese Vorgaben sind keine Schikane, sondern eine Sicherheitsgarantie. Sie gewährleisten, dass ein Raum mit einer Gr...

Prüfungsfragen verringern

Das 1-Punkt-K.o.-System: Ad-hoc-Ideen mit eingebauter Prüfungsgarantie Die Fragenkataloge für die Theoretische Fahrerlaubnisprüfung sind umfangreich; der Katalog für die Klasse B enthält 1.169 Fragen (Grund- und Zusatzstoff). Derzeit sind zudem die Fragen unterschiedlich gewichtet. Sie werden mit 2 bis 5 Punkten bewertet, während die zulässige Fehlerpunktzahl fest vorgegeben ist. Dies führt zu einem komplexen Aufbau der Theorieprüfung. Es wird vorgeschlagen, die Prüfungskataloge aller Fahrerlaubnisklassen sukzessive zu überarbeiten, streng an den europarechtlich vorgegebenen Inhalten auszurichten und zu kürzen.   Theorie-Abspeckkur: Warum weniger Fragen allein nicht helfen Eine Reduzierung der Prüfungsfragen ist auf den ersten Blick löblich, aber sie bleibt reine Kosmetik, wenn man nicht gleichzeitig den Unterrichtsplan radikal ausmistet. Wer nur die Fragen kürzt, aber den Stoff beibehält, betreibt Augenwischerei. Wenn wir über Entlastung reden, müssen wir über die Themen 11 bis 14...

Simulatorenausbildung

Simulatoren sind in unseren Fahrschulen seit drei Jahrzehnten Alltag. Wer das im Jahr 2026 als ‚neue Option‘ in ein Reformpapier schreibt, hat die letzten 30 Jahre schlicht verschlafen. Simulatoren werden in den Fahrschulen bereits jetzt zunehmend eingesetzt und können helfen, die Fahrschülerinnen und Fahrschüler beim Erwerb der Fahrkompetenz zu unterstützen. Es wird vorgeschlagen, Simulatoren als Option bei allen Fahrerlaubnisklassen rechtlich zu verankern. Eine Pflicht zur Nutzung von Simulatoren soll es nicht geben.   Die Neuerfindung des Rades? Die Arbeitsgruppe schlägt vor, Simulatoren als „Option“ rechtlich zu verankern. Man bekommt fast den Eindruck, Minister Schnieder hätte hier eine bahnbrechende Innovation entdeckt. Die Realität in den Fahrschulen sieht anders aus: Wir setzen Simulatoren bereits seit über 30 Jahren erfolgreich ein. Dass diese Information bei einer „Expertenrunde“ offensichtlich nie angekommen ist, lässt tief blicken. Wer eine Reform plant, sollte Menschen...

Praktische Fahrausbildung - Sonderfahrten

Es gibt in Deutschland keine gesetzliche Pflicht, eine bestimmte Anzahl von Fahrstunden zu absolvieren. Bisher müssen bei den meisten Fahrerlaubnisklassen aber verpflichtend sogenannte Sonderfahrten – Überland, Autobahn und Dunkelfahrt – abgeleistet werden. Für Pkw sind insgesamt zwölf Sonderfahrten (je 45 Minuten) vorgeschrieben. Verpflichtende Sonderfahrten sind europarechtlich nicht vorgegeben. In anderen EUMitgliedstaaten gibt es keine oder geringere verbindliche Mindestvorgaben (z.B. Österreich*: jeweils 1 Überland-, Autobahn- und Nachtfahrt; Dänemark: verbindliche Überland- , Autobahn- und Nachtfahrten ohne konkrete Stundenanzahl; Norwegen: verbindliche Nachtfahrten ohne konkrete Stundenanzahl; Frankreich, Niederlande, Tschechien und Schweden: keine Vorgaben).   Verpflichtende Sonderfahrten: Erleben statt Erklären Das Arbeitspapier der Expertenrunde um Minister Schnieder führt aus, dass verpflichtende Sonderfahrten europarechtlich gar nicht vorgegeben sind. Ein Blick zu unser...

Laienausbildung Teil 1

Es wird vorgeschlagen, die Möglichkeit zu eröffnen, einen Teil der praktischen Fahrausbildung für den Erwerb der Fahrerlaubnisklasse B durch Personen mit einem besonderen Naheverhältnis zum Bewerber durchzuführen (Laienausbildung). Dadurch würden die Fahrschülerinnen und Fahrschüler bereits im Rahmen der Fahrausbildung deutlich mehr Fahrpraxis gewinnen. Die Anforderungen folgen dem Modell in Österreich, das dort bereits seit Jahrzehnten erfolgreich angewandt wird. Die Teilnehmer an der Laienausbildung werden in den österreichischen Unfallstatistiken nicht gesondert ausgewiesen. Nach Auskunft des dortigen Verkehrsministeriums und der Wirtschaftskammer 6 Österreich (Organisation der Fahrlehrer) ist die Unfallbeteiligung jedoch nicht signifikant erhöht gegenüber herkömmlich Ausgebildeten. Abweichungen erfolgen lediglich, soweit es erforderlich ist. Die Regelung soll zeitlich befristet (fünf Jahre) eingeführt und begleitend evaluiert werden. Ablauf:    a) vor Start der Laienausbil...

Laienausbildung Teil 2

  1986: Das Ende der Ignoranz In Deutschland wurde die Laienausbildung im Jahr 1986 abgeschafft – und zwar aus einem verdammt guten Grund! Man erkannte damals, dass die Verkehrssicherheit bei stetig steigendem Verkehrsaufkommen durch Amateure am Beifahrersitz nicht mehr gewährleistet werden konnte. Gleichzeitig wurden zum 1. Januar 1986 die Sonderfahrten eingeführt. Das Ziel war klar: Mehr Sicherheit durch Profi-Training in Extremsituationen. Seitdem sind für jeden Fahrschüler Pflicht: 5 x 45 Minuten Überland (Bundes- und Landstraßen) 4 x 45 Minuten Autobahn 3 x 45 Minuten bei Dämmerung und Dunkelheit Der Rückfall in die Steinzeit der Verkehrssicherheit Um zu verstehen, was hier gerade hinter verschlossenen Türen geplant wird – nämlich die Ausbildung von Fahrschülern wieder in die Hände von Laien zu legen –, müssen wir über Hintergründe sprechen, die weder Eltern noch Fahrschüler kennen. Noch erschreckender ist jedoch: Weder Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder noch die Teilneh...