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Erwerb der Schaltkompetenz

Bei der Fahrerlaubnisklasse B ist es in Deutschland möglich, die Fahrprüfung auf einem Automatikfahrzeug zu absolvieren und dennoch einen Führerschein zu erhalten, der auch zum Führen eines Fahrzeugs mit Schaltgetriebe berechtigt. Dazu muss die Fahrschülerin bzw. der Fahrschüler zehn Fahrstunden (je 45 Minuten) mit einem Schaltwagen fahren und seine Schaltkompetenz in Begleitung eines Fahrlehrers in einer 5 Überprüfungsfahrt (15 Minuten) nachweisen. Alle anderen Fahrstunden einschließlich Prüfung können dann in einem Automatikfahrzeug absolviert werden.


 Kürzung der Schaltkompetenz: Wenn Statistik die Sicherheit frisst

Der nächste Vorschlag der Arbeitsgruppe betrifft die B197-Regelung: Die Schulung auf dem Schaltwagen soll künftig statt zehn nur noch sieben Stunden umfassen. Auch hier zeigt sich wieder die massive Praxisferne. Wer so etwas vorschlägt, ignoriert, wie effizient wir diese Stunden heute nutzen.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

In der Praxis erledigen wir zwei Dinge auf einmal: Wir kombinieren die Schaltausbildung mit Straßen, auf denen mit höherer Geschwindigkeit gefahren wird (Sonderfahrten). Das ist effizient und pädagogisch sinnvoll. Bisher schreibt der Gesetzgeber vor, dass mindestens eine Doppelstunde auf Bundes- und Landstraßen sowie auf Autobahnen gefahren werden muss.


Der Nachbrenner: Die Grenze der Konzentration

Dass wir hier über Doppelstunden (90 Minuten) reden, hat einen guten Grund: Es ist die einzige Gelegenheit, einen Fahrschüler ganz bewusst an seine Grenzen zu bringen. Nach 45 Minuten im Stadtverkehr ist man gestresst, aber nach 90 Minuten auf der Landstraße lernt man etwas ganz anderes: Die Ermüdung durch Monotonie.

Wenn ein Schüler merkt, dass die Konzentration merklich nachlässt oder eine Fahrt auf der Landstraße ermüdend wird, wenn scheinbar „nichts los“ ist, dann ist das ein wertvoller Lerneffekt. Er sitzt am Ende nur da und sieht aus dem Fenster – glaubt er. In Wahrheit lassen die Reflexe nach, die Aufmerksamkeit sinkt. Diesen „Nachbrenner“ im Hinterkopf nimmt er mit in sein späteres Leben als Autofahrer.


Die Rechnung der Politik geht nicht auf

Was bringt eine Kürzung auf sieben Stunden für die „Schaltkompetenz“, wenn der Fahrlehrer sich ohnehin von der Sicherheit auf Überlandstrecken. Und auf der Autobahn überzeugen muss?

- Wir brauchen die Zeit für die Sonderfahrten so oder so.

- Wir brauchen die Doppelstunden für die Erfahrung der Ermüdung.

Eine Reduzierung der Stunden auf dem Papier macht den Führerschein keinen Cent billiger, sondern kürzt nur die Zeit, in der ein junger Mensch lernt, seine eigenen körperlichen Grenzen am Steuer einzuschätzen.

Wer solche Reformen vorschlägt, will nur eine Statistik schönen, hat aber den Schutz des Lebens auf der Straße längst aus den Augen verloren.

Das eigentliche Einsparpotenzial:

Was man tatsächlich abschaffen könnte, hat die Arbeitsgruppe in ihrem Kürzungswahn völlig übersehen. Es gibt ein Element in der Schaltausbildung, das keinerlei pädagogischen Mehrwert bietet, aber Zeit und Geld kostet:

Die sogenannte “Überprüfungsfahrt”.

Aktuell sieht der Gesetzgeber nach den zehn Schaltstunden eine Überprüfungsfahrt vor, die mindestens 15 Minuten dauern muss. Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Da es sich nur um eine Mindestzeit handelt, steht es theoretisch jedem offen, diese Fahrt auf eine volle Stunde auszudehnen. Ob aus Unfähigkeit, den Gesetzestext zu lesen, oder aus purer Geschäftemacherei – hier wird eine unnötige Kostenschraube legitimiert.

Mal ganz ehrlich: Wer einen Fahrschüler zehn Fahrstunden lang im Schaltwagen begleitet, ausbildet und korrigiert, muss in jeder Sekunde hellwach sein. Welchen logischen Grund gibt es dann für eine zusätzliche Überprüfungsfahrt?

Wenn ein Fahrlehrer nach 450 Minuten gemeinsamer Ausbildung noch eine Extra-Fahrt braucht, um festzustellen, ob der Schüler schalten kann, dann sollte er dringend über einen Berufswechsel nachdenken.

Das ist undurchdachter bürokratischer Ballast und ein echter Kostenfaktor, den man ersatzlos streichen könnte. Hier hätte die Politik die Chance gehabt, den Führerschein tatsächlich zu entlasten, ohne die Sicherheit zu gefährden. Dass man stattdessen lieber an der Qualität der Sonderfahrten rüttelt, ist Fachinkompetenz in Reinform.

Simulation statt Realität: Der finale Realitätsverlust
Als wäre die bisherige Liste nicht schon abenteuerlich genug, schlägt die Arbeitsgruppe nun vor, die Schulung „weitestgehend“ auf Fahrsimulatoren durchzuführen. Man wartet nur noch auf die Auslegung der EU-Richtlinie. Doch was bitte soll ein Fahrschüler am Simulator lernen, was über die reine Bedienung und die Vorfahrtsregeln hinausgeht?

Physik lässt sich nicht programmieren

Ein Simulator ist ein geduldiges Stück Technik. Er wird niemals das Gefühl vermitteln können, wenn man auf einer Autobahnbrücke von einer heftigen Seitenwindböe erfasst wird. Er simuliert nicht den Lkw, der beim Überholvorgang plötzlich und ohne Vorwarnung nach links ausschert.

Und vor allem: Ein Simulator hat kein „Popo-Meter“. Er kann nicht vermitteln, wie sich die Geschwindigkeit an eine schlechte Fahrbahn anpassen muss, weil er die Schläge von Schlaglöchern nicht eins zu eins an das Hinterteil des Fahrers überträgt. In einem echten Auto spürt man die Straße – am Simulator drückt man nur Knöpfe.

Der Microsoft-Pilot

Wir müssen uns doch ernsthaft fragen: Würde irgendjemand von uns in ein Flugzeug steigen, wenn der Pilot seine Lizenz „weitestgehend“ am Microsoft Flight Simulator erworben hat? Sicher nicht. Aber bei 1,5 Tonnen Stahl, die mit 130 km/h über die Autobahn schießen, soll das plötzlich eine gute Idee sein?

Eine Grundausbildung am Simulator, um stressfrei das Schalten und die Pedalerie zu lernen, ist eine sinnvolle Ergänzung – das betone ich seit Jahren. Aber ein Simulator kann niemals, unter keinen Umständen, eine reale Fahrstunde ersetzen.


Fazit: Wenn Ideologie die Physik ignoriert

Es wird zunehmend anstrengend, sich durch diese Ideenliste der Ad-hoc-Arbeitsgruppe zu arbeiten. Hier wird versucht, Sicherheit gegen Ersparnis einzutauschen, indem man reale Erfahrung durch digitale Spielerei ersetzt. Wer so etwas vorschlägt, hat offenbar vergessen, dass im Straßenverkehr echte Menschen in echten Autos sitzen – und keine Avatare, die man nach einem Unfall einfach per „Reset-Taste“ neu startet.





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