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Simulatorenausbildung


Simulatoren sind in unseren Fahrschulen seit drei Jahrzehnten Alltag. Wer das im Jahr 2026 als ‚neue Option‘ in ein Reformpapier schreibt, hat die letzten 30 Jahre schlicht verschlafen.


Simulatoren werden in den Fahrschulen bereits jetzt zunehmend eingesetzt und können helfen, die Fahrschülerinnen und Fahrschüler beim Erwerb der Fahrkompetenz zu unterstützen. Es wird vorgeschlagen, Simulatoren als Option bei allen Fahrerlaubnisklassen rechtlich zu verankern. Eine Pflicht zur Nutzung von Simulatoren soll es nicht geben.



 
Die Neuerfindung des Rades?

Die Arbeitsgruppe schlägt vor, Simulatoren als „Option“ rechtlich zu verankern. Man bekommt fast den Eindruck, Minister Schnieder hätte hier eine bahnbrechende Innovation entdeckt.

Die Realität in den Fahrschulen sieht anders aus: Wir setzen Simulatoren bereits seit über 30 Jahren erfolgreich ein. Dass diese Information bei einer „Expertenrunde“ offensichtlich nie angekommen ist, lässt tief blicken. Wer eine Reform plant, sollte Menschen ins Boot holen, die wissen, wie eine Fahrschule von innen aussieht, statt jahrzehntealte Standards als „neue Ideen“ zu verkaufen. Das ist schlichtweg peinlich.

Warum der Simulator nützlich ist (wenn man ihn richtig nutzt)

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ein Simulator für die Klasse B ist eine hervorragende Ergänzung. In sechs Einheiten (Grundausbildung, Abbiegen, Vorfahrt) können Schüler stressfrei die Basis lernen:

- Anfahren, Schalten und Bremsen ohne den Druck des realen Verkehrs.

- Blickführung und Lenken in komplexen Situationen.

- Das Anfahren an Steigungen (10 %), ohne den Motor abwürgen zu lassen.

Fahrschüler bestätigen immer wieder: Wer vorher am Simulator geübt hat, spart sich die eine oder andere reale Übungsstunde im Auto, weil die Angst vor der Technik weg ist. In Zeiten eines immer dichteren Verkehrsaufkommens ist das eine sinnvolle Vorbereitung.

Rechtliche Verankerung ohne Pflicht: Kosmetik ohne Nutzen

Was mich allerdings fassungslos zurücklässt: Welchen Sinn soll es haben, Simulatoren „rechtlich zu verankern“, wenn es gleichzeitig keine Nutzungspflicht geben soll? Das ist reine politische Kosmetik. Es ändert nichts an der Ausbildung, es ändert nichts an der Qualität und – am wichtigsten – es trägt absolut nicht dazu bei, den Führerschein billiger zu machen.

Die wirtschaftliche Realität: Wer soll das bezahlen?

Ich würde der Arbeitsgruppe dringend raten, sich einmal über die Anschaffungspreise dieser Geräte zu informieren. Besonders bei Simulatoren für Lkw oder Motorrad reden wir über Investitionen, die sich für eine normale Fahrschule kaum rechnen. Wer solche Vorschläge macht, ohne die wirtschaftliche Tragfähigkeit zu prüfen, spielt mit der Existenz kleinerer Betriebe.

Fazit: Einen Simulator „rechtlich als Option“ vorzuschlagen, ist so sinnvoll wie eine gesetzliche Erlaubnis, einen Taschenrechner in der Schule zu benutzen: Wir machen es ohnehin schon längst. Es ist ein Ablenkungsmanöver von den eigentlichen Problemen.


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